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LieLu

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Spoileralarm

Die Bücherdiebin – Der Film

 

 

Gestern kam ich nun endlich dazu, den Film, der letzten Donnerstag (13.3.14) bei uns in den Kinos anlief zu schauen. Besonders großer Andrang herrschte nicht, was mich schon ein wenig verwunderte. Aber meine Freundin und ich freuten uns auf den Film J Ich versuche in meiner Auseinandersetzung mit dem Film nicht all zu viel zu verraten, aber ganz vermeiden lässt es sich nicht, da ich auch noch einige Kritikpunkte habe.

 

Der Inhalt

 

Die 9-jährige (vielleicht auch jünger oder älter?!) Liesel Memminger wird nach dem Tod ihres Bruders von ihrer Mutter (die vermutlich Kommunistin oder Jüdin ist) 1938 in eine deutsche Pflegefamilie, den Hubermanns, gegeben. Diese macht mit der zänkischen Rosie als Mutter zunächst keine gute Figur. Sie wirkt nicht nur sehr einschüchternd auf Liesel, sondern ist auch nicht besonders nett. Ganz im Gegensatz zu Hans, der sich alle Mühe gibt, Liesel aus der Reserve zu locken. Der erste Schultag ist für Liesel dann ein Kraus, denn sie kann noch nicht einmal lesen. Doch Rudi, der Nachbarsjunge nimmt sich ihrer an und es entwickelt sich eine wunderbare Freundschaft. Ihr Vater beginnt zudem ihr Lesen und Schreiben bei zu bringen. Fortan lies sie alles, was ihr zwischen die Finger kommt. Das ist im Jahre 1938 und nach der großen Bücherverbrennung leider gar nicht so leicht. Ilse, die Frau des Bürgermeisters beobachtet sie nach der Bücherverbrennung dabei, wie sie ein angebranntes Buch aus den Flammen zieht und es mit nach Hause nimmt. Als Liesel beim Bürgermeister vorbeikommt, um ihm seine Wäsche zu bringen, lädt Ilse sie ein, in ihrer Bibliothek zu stöbern. Liesel kommt sich vor wie im Bücherwunderland. Doch das Glück wärt nicht lange, denn der Bürgermeister selbst hält nicht viel davon.

 

Eines Tages erscheint der Jude Max auf der Bildfläche, dessen Vater Hans im ersten Weltkrieg das Leben gerettet hat. Da dieser ihm nun etwas schuldet, nimmt die Familie ihn auf und versteckt ihn unter der Treppe. Als es ihm besonders schlecht geht, beschließt Liesel Bücher aus der Bibliothek von Ilse zu stehlen. Doch sie hat nicht mit der Neugier von Rudi gerechnet, der ihr auf die Schliche kommt. Er entpuppt sich jedoch als wahrer Freund und hilft ihr. Ihm vertraut sie ihr Geheimnis an. Die Magie der Wörter und der Sprache bringt Max dazu, wieder aufzuwachen. Nachdem er bei einer Razzia jedoch im Keller fast entdeckt wird, beschließt er die Familie nicht weiter in Schwierigkeiten bringen zu wollen und geht davon. Liesel kann ihn nicht vergessen…

 

Kritik

 

Ich finde es schade, dass der Zuschauer nie herausbekommt, warum Liesel in die Pflegefamilie kommt. Ob ihre Mutter nun Kommunistin oder Jüdin war, oder gar verhaftet wurde, bleibt ungewiss. Zudem fehlt mir im gesamten Film ein gewisser Spannungsaufbau. Eigentlich weiß man im gesamten Film gar nicht, was genau der Haupttenor ist. Das Lesen und Schreiben zieht sich zwar als roter Faden durch das gesamte Buch, doch der Titel „Die Bücherdiebin“ passt meines Erachtens nicht wirklich auf den Film, da das Bücher stehlen nicht länger als 5 Minuten im Vordergrund steht und nie wieder eine Rolle spielt. Vielmehr müsste sich der Titel auf das Verstecken des Juden Max beziehen oder auf die Zeit des Nationalsozialismus oder meinetwegen auch auf die Freundschaft von Liesel und Rudi. Das passt irgendwie alles nicht wirklich zusammen.

 

Das Ende des Films, was ich hier, trotz Spoilerwarnung, nicht verraten möchte, scheint der richtige Höhepunkt zu sein und ich war sehr erschüttert, dass es nicht wie gedacht ein Happy End gibt. Im Gegenteil, Liesel scheint alles zu verlieren, was ihr lieb und teuer ist. Das finde ich nach so einem Film, der noch dazu eine Altersklassifizierung von 6 Jahren (?!) hat, mehr als ungeeignet. Zudem ich glaube, dass Kinder in diesem Alter den Film auch nicht verstehen werden. Auch das erneute Auftreten von Ilse macht an dieser Stelle überhaupt keinen Sinn. Wer den Film sieht, wird sich daran erinnern und es vielleicht ähnlich empfinden.

 

Angenehm finde ich die Atmosphäre in der Himmelsstraße, die Menschen, die Nachbarn, die Lehrerin, die Klassenkameraden. Aber auch hier gibt es noch einige Makel, die es meiner Meinung nach zu verbessern gilt. Beispielsweise redet ein „Schulkamerad“ von Liesel und Rudi, Franz Deutscher, immer wieder davon, den beiden die Nazis auf den Hals zu hetzen, weil sie wohl etwas zu verbergen haben, es passiert aber nie etwas dergleichen. Die ganze Zeit wartet man darauf, dass der Jude Max entdeckt wird..

 

Gut gemacht war die kurze Zusammenfassung und den Zukunftsausblick, den der Erzähler am Ende noch einmal gibt. Interessant finde ich die Erzählperspektive aus Sicht des Tods, das ist wirklich gut gemacht. Wer jedoch das Buch nicht kennt, wird den Tod nicht als solchen erkennen und fragt sich die ganze Zeit, wer eigentlich der Erzähler ist, der immer wieder vom „Fangen der Seelen“ spricht. Das wird eigentlich erst am Ende klar, als er sich die Seelen der einzelnen Menschen holt.

 

Das geschriebene Wort ist der Schlüssel zum Überleben von Liesel, denn sie flüchtet sich in die Welt der Bücher. Der Film ist ganz gut gemacht, hat wundervolle Filmmusik und man kann sich gut in Liesel hineinversetzen. Ich finde jedoch, dass er das Grauen des Krieges nicht immer wahrhaftig darstellt und das Ende abkürzt. Nach dem Motto…alles ist wieder gut, doch dann geschah ein Fehler, es war ein Fehler auf der Landkarte… Das ist in dem Moment zwar tragisch und dramatisch, aber nicht wirklich passend. Zudem reagiert Liesel meiner Meinung nach völlig unemotional, als sie aus den Trümmern kriecht.

 

Die Rollen an sich finde ich, bis auf Liesel, sehr gut besetzt. Rosa und Hans sind mehr als authentisch und nach einer gewissen Zeit durchaus liebenswert. Rudi beweist echte Menschlichkeit und wird für Liesel mehr als ein guter Freund, auch hier finde ich das Ende und ihr letztes Gespräch mehr als unpassend. Über seine Familie, die der Krieg ebenfalls zerrüttet, erfährt man nicht soviel. Doch trotzdem spielt sein Vater in den letzten Szenen noch einmal eine Rolle. Von den Nationalsozialisten sieht man im Film nicht viel außer ein paar Konvois, Hakenkreuzfahnen und die Bücherverbrennung. Dafür, dass sie am Ende eine so große Rolle spielen, finde ich auch das zu wenig. Liesel ist für mich zwiespältig besetzt. Die Schauspielerin ist niedlich und verkörpert durch ihre Art und Weise das unschuldige und naive Mädchen, was nicht weiß, was passiert. Das ändert sich im Laufe des Films und Liesel entwickelt sich weiter. Ich finde jedoch, dass sie an vielen Stellen sehr unpassend und unemotional reagiert. Ganz speziell fiel mir das wiederum am Ende des Films auf.

 

Alles in allem ein emotionaler Film, der meine Freundin und mich an einigen Stellen wirklich zu Tränen rührte. Es fehlt ein richtiger Höhepunkt, den man vielleicht am Ende sehen könnte. Wir gingen jedoch ein wenig unbefriedigt aus dem Film. Ich werde nun das Buch von Markus Zusak „Die Bücherdiebin“ lesen, welches ich schon einmal begonnen hatte, es dann aber bei der Hälfte abgebrochen habe, um vergleichen zu können inwiefern sich der Film mit dem Buch deckt. Ich finde jedoch, dass der Film zu Recht in der Kritik steht…

 

Hier mehr dazu.